Kampagnentypen

RLSA — Was ist das?

RLSA (Remarketing Lists for Search Ads) ermöglicht es dir, deine Google Ads Suchkampagnen gezielt für Nutzer anzupassen, die bereits deine Website besucht haben. Du kannst Gebote erhöhen, andere Anzeigentexte schalten oder komplett neue Keywords nur für diese Zielgruppe nutzen.

Ausführliche Erklärung

RLSA ist eine der mächtigsten und zugleich am meisten unterschätzten Funktionen in Google Ads. Während die meisten Advertiser ihre Suchkampagnen nur über Keywords steuern, bietet RLSA die Möglichkeit, das Verhalten und die Interaktionen der Website-Besucher als zusätzliche Optimierungsebene zu nutzen. Das Prinzip ist revolutionär einfach: Du kombinierst das aktive Suchverhalten von Nutzern mit dem Wissen über ihre bisherigen Interaktionen auf deiner Website.

Der fundamentale Unterschied zu herkömmlichem Display-Remarketing liegt darin, dass RLSA im Suchnetzwerk funktioniert. Das bedeutet: Die Nutzer müssen aktiv nach deinen Keywords suchen - aber du kennst bereits ihr Interesse und kannst deine Strategie entsprechend anpassen. Diese Kombination aus Pull-Marketing (aktive Suche) und vorhandenem Intent (Website-Besuch) erzeugt oft die höchsten Conversion-Raten im gesamten Google Ads Account.

Es gibt zwei grundlegende RLSA-Ansätze, die völlig unterschiedliche strategische Ausrichtungen haben. Der 'Bid-only' Ansatz lässt deine Anzeigen weiterhin für alle Suchenden laufen, erhöht aber die Gebote für Nutzer auf deinen Remarketing-Listen. Das ist besonders wertvoll für etablierte Kampagnen mit guter Performance, da du die Reichweite beibehältst, aber gezielt mehr für wertvollere Nutzer bietest. Typische Gebotserhöhungen liegen zwischen 20-70%, abhängig von der Liste und der historischen Performance.

Der 'Target-and-bid' Ansatz ist radikaler: Hier schränkst du die Anzeigenauslieferung komplett auf die Remarketing-Liste ein. Das ermöglicht dir, sehr allgemeine oder teure Keywords zu verwenden, die normalerweise zu unspezifisch wären. Ein Beispiel: Das Keyword 'Software' kostet in Deutschland oft 8-15 Euro pro Klick und konvertiert schlecht, da es zu allgemein ist. Mit RLSA kannst du es nur für Besucher deiner Produktseiten aktivieren - plötzlich wird aus einem unprofitablen ein hochprofitables Keyword.

Besonders im DACH-Markt zeigt RLSA außergewöhnliche Performance, da deutsche, österreichische und Schweizer Kunden typischerweise längere Kaufzyklen haben. Sie besuchen Websites mehrfach, vergleichen intensiv und treffen durchdachte Entscheidungen. RLSA nutzt genau dieses Verhalten: Statt Nutzer nach dem ersten Besuch zu verlieren, bleibst du bei ihrer aktiven Suche präsent und kannst sogar deine Botschaft anpassen.

Die Segmentierungsmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Du kannst Listen basierend auf besuchten Seiten erstellen ('Alle Besucher der Kategorie Laufschuhe'), Verhalten definieren ('Nutzer die mindestens 3 Minuten auf der Seite waren') oder zeitliche Komponenten einbauen ('Besucher der letzten 7 Tage'). Jede Liste kann unterschiedliche Gebotsmodifikatoren erhalten und sogar komplett andere Anzeigentexte ausspielen.

Für B2B-Unternehmen ist RLSA besonders wertvoll, da hier Keywords oft sehr teuer sind und der Sales Cycle lang ist. Ein Softwareunternehmen kann beispielsweise für das Keyword 'CRM System' 25 Euro pro Klick zahlen - aber nur 2% der Klicks konvertieren sofort. Mit RLSA kann das gleiche Keyword für Besucher der Produktdemoseite aktiviert werden, wo die Conversion Rate bei 15-20% liegt.

Die Kombination mit Smart Bidding macht RLSA noch mächtiger. Während du die strategische Richtung vorgibst (welche Listen, welche Keywords), übernimmt die KI die Feinoptimierung der Gebote basierend auf unzähligen Signalen. Diese Synergie aus menschlicher Strategie und maschineller Präzision erzeugt oft die besten Ergebnisse in Google Ads Accounts.

Praxis-Beispiel aus dem DACH-Markt

Ein Schweizer Online-Shop für Outdoor-Ausrüstung mit einem monatlichen Google Ads Budget von 25.000 CHF kämpfte mit hohen Kosten bei allgemeinen Keywords. Das Keyword 'Wanderschuhe' kostete 4,50 CHF pro Klick mit einer Conversion Rate von nur 1,8% - ein CPA von 250 CHF pro Verkauf bei einem durchschnittlichen Bestellwert von 180 CHF. Klar unrentabel.

Durch RLSA wurde eine mehrstufige Strategie implementiert: Zunächst wurden verschiedene Remarketing-Listen erstellt - 'Wanderschuh-Kategorie-Besucher letzte 30 Tage' (5.200 Nutzer), 'Produktdetailseiten-Besucher letzte 14 Tage' (2.800 Nutzer) und 'Warenkorb-Abbrecher letzte 7 Tage' (420 Nutzer). Für die allgemeine Liste wurde eine Gebotserhöhung von 40% eingestellt, für Produktseiten-Besucher 80% und für Warenkorb-Abbrecher 150%.

Zusätzlich wurden neue, sehr allgemeine Keywords nur mit Target-and-bid für Website-Besucher aktiviert: 'Schuhe', 'Outdoor', 'Wandern' - Keywords, die ohne RLSA völlig unbrauchbar gewesen wären. Für diese Listen wurden spezielle Anzeigentexte erstellt: 'Zurück zu Ihren Wanderschuhen - Jetzt 15% Rabatt' für Warenkorb-Abbrecher und 'Die Wanderschuhe, die Sie sich angesehen haben - Kostenloser Versand' für Produktseiten-Besucher.

Das Ergebnis nach 3 Monaten war beeindruckend: Die RLSA-Keywords erzielten eine Conversion Rate von 8,2% bei einem durchschnittlichen CPC von 2,80 CHF - ein CPA von nur 34 CHF. Der ROAS stieg von 0,72 auf 5,3. Besonders die Warenkorb-Abbrecher-Liste performte mit einer Conversion Rate von 24% außergewöhnlich gut. Das Gesamtbudget wurde um 40% erhöht, da plötzlich profitable Skalierungsmöglichkeiten entstanden waren.

Schritt-für-Schritt Anleitung

1

Remarketing-Listen in Google Ads erstellen

Navigiere zu 'Zielgruppen' in deinem Google Ads Account und klicke auf 'Zielgruppensegmente'. Wähle 'Website-Besucher' und definiere deine erste Liste. Beginne mit einer allgemeinen Liste 'Alle Website-Besucher letzte 30 Tage' - das ist deine Basis-Liste. Stelle sicher, dass dein Google Ads Remarketing-Tag korrekt implementiert ist. Du findest den Tag-Status unter 'Zielgruppen' - 'Zielgruppen-Quellen'. Die Liste muss mindestens 1.000 aktive Nutzer haben, bevor du sie in Suchkampagnen verwenden kannst. Erstelle parallel spezifischere Listen wie 'Besucher bestimmter Produktseiten' oder 'Nutzer mit Sessiondauer über 2 Minuten'. Plane von Beginn an verschiedene Zeitfenster: 7, 14, 30 und 90 Tage, da unterschiedliche Produkte verschiedene Kaufzyklen haben.

2

RLSA-Kampagne mit Bid-only einrichten

Erstelle eine neue Suchkampagne oder dupliziere eine bestehende erfolgreiche Kampagne. Gehe zu 'Zielgruppen' auf Kampagnen- oder Anzeigengruppenebene und füge deine Remarketing-Liste hinzu. Wichtig: Wähle 'Beobachtung' statt 'Targeting' - das ist der Bid-only Modus. Setze initial eine Gebotsanpassung von 20-30% für deine allgemeine Website-Besucher-Liste. Du findest diese Einstellung direkt neben der hinzugefügten Zielgruppe. Für spezifischere Listen wie Produktseiten-Besucher kannst du 50-80% starten. Überwache die Performance täglich in den ersten Wochen - RLSA reagiert oft schneller auf Gebotsänderungen als normale Keywords. Dokumentiere die ursprünglichen CPCs und Conversion Rates, um den RLSA-Effekt messbar zu machen.

3

Target-and-bid Kampagnen für allgemeine Keywords

Erstelle eine separate Kampagne speziell für RLSA Target-and-bid. Füge deine Website-Besucher-Liste hinzu, aber wähle diesmal 'Targeting' statt 'Beobachtung'. Dadurch werden Anzeigen nur für Nutzer auf dieser Liste ausgespielt. Jetzt kannst du sehr allgemeine, normalerweise unrentable Keywords hinzufügen: 'Schuhe' statt 'Wanderschuhe kaufen', 'Software' statt 'CRM Software für kleine Unternehmen'. Starte mit niedrigen Geboten (30-50% der spezifischen Keywords), da die Zielgruppe bereits qualifiziert ist. Diese Kampagnen haben oft niedrigere CPCs aber höhere Conversion Rates. Verwende Match Type 'Broad Match' für maximale Reichweite - die Remarketing-Liste fungiert als zusätzlicher Qualitätsfilter. Die Keyword-Liste kann deutlich kleiner sein, da du über Broad Match und die qualifizierte Zielgruppe trotzdem relevanten Traffic erhältst.

4

Spezifische Anzeigentexte für RLSA erstellen

Erstelle separate Anzeigengruppen für deine wichtigsten RLSA-Segmente, um maßgeschneiderte Anzeigentexte zu verwenden. Für Warenkorb-Abbrecher funktionieren Anzeigen mit Urgency und Rabatten: 'Ihr Warenkorb wartet - Jetzt 10% sparen'. Für Produktseiten-Besucher nutze Anknüpfung an das Interesse: 'Die Laufschuhe, die Sie sich angesehen haben'. Nutze Dynamic Keyword Insertion (DKI) geschickt, um die ursprünglich gesuchten Begriffe einzubauen. Bei RSAs (Responsive Search Ads) erstelle Headlines und Descriptions, die spezifisch auf Wiederkehrende ansprechen. Teste verschiedene Emotional Triggers: Knappheit, soziale Bewährtheit oder personalisierte Angebote. Ad Customizers können hier besonders wertvoll sein, um countdown-basierte Angebote nur für RLSA-Listen zu verwenden. Die Anzeigentexte sollten klar kommunizieren, dass du das vorherige Interesse erkennst, ohne aufdringlich zu wirken.

5

Performance überwachen und skalieren

Überwache RLSA-Performance über den Zielgruppen-Tab, wo du Conversion Rates, CPCs und Impression Share nach Listen segmentiert siehst. Besonders wichtig ist der Vergleich zwischen RLSA- und Non-RLSA-Performance für identische Keywords. Dokumentiere wöchentlich die wichtigsten KPIs: CPA-Differenz, ROAS-Improvement und Volumen-Anteil von RLSA-Traffic. Skaliere erfolgreiche Listen durch höhere Gebote oder erweiterte Keyword-Sets. Bei guter Performance kannst du Budget von allgemeinen Suchkampagnen zu RLSA-Kampagnen verschieben. Teste verschiedene Lookback-Perioden für deine Listen - manchmal performen 14-Tage-Listen besser als 30-Tage-Listen. Erstelle monatliche RLSA-Reports für Stakeholder, die den incrementellen Wert klar darstellen. Nutze Scripts oder Tools wie Optmyzr für automatisierte RLSA-Gebotsanpassungen basierend auf Performance-Thresholds.

Häufige Fehler bei RLSA

Listen sind zu klein für stabile Performance

Viele Advertiser erstellen zu spezifische Remarketing-Listen, die nur wenige hundert Nutzer enthalten. Listen unter 1.000 aktiven Nutzern führen zu instabiler Performance und können nicht für Target-and-bid verwendet werden. Das Resultat sind schwankende CPCs, unzuverlässige Conversion-Daten und schlechte Optimierungsmöglichkeiten für Smart Bidding. Die Lösung: Starte mit breiteren Listen und verfeinere schrittweise. Eine 'Alle Website-Besucher 90 Tage' Liste ist besser als zehn zu kleine spezifische Listen.

Gebotsanpassungen zu aggressiv setzen

Ein klassischer Fehler ist das sofortige Setzen von 100%+ Gebotserhöhungen für RLSA-Listen. Das führt oft zu explodierenden CPCs ohne entsprechend bessere Performance. Besonders bei Smart Bidding Kampagnen kann das die Algorithmen verwirren und zu suboptimaler Performance führen. Starte immer konservativ mit 20-30% Erhöhungen und steigere basierend auf Performance. Google's Algorithmen brauchen Zeit, um die neue Gebotsstrategie zu verstehen und zu optimieren.

Keine separaten Anzeigentexte für RLSA

Viele Advertiser nutzen RLSA nur für Gebotsanpassungen, vergessen aber das riesige Potenzial personalisierter Anzeigentexte. Standard-Anzeigen wie 'Beste Laufschuhe kaufen' haben bei Wiederbesuchern nicht die gleiche Wirkung wie 'Zurück zu Ihren Laufschuhen - Jetzt bestellen'. Ohne angepasste Anzeigentexte verschenkst du 20-40% mögliche CTR-Verbesserungen. Erstelle separate Anzeigengruppen für wichtige RLSA-Segmente mit spezifischen, personalisierten Botschaften.

RLSA-Listen nicht regelmäßig aktualisieren

Ein oft übersehener Punkt ist die Wartung der Remarketing-Listen. Veraltete Listen mit Nutzern, die bereits gekauft haben, oder Listen mit defekten Tracking-Codes führen zu verschwendetem Budget. Besonders kritisch wird es, wenn Käufer weiterhin mit Akquisitions-Anzeigen angesprochen werden statt mit Cross-Sell oder Retention-Botschaften. Richte monatliche Reviews deiner Listen ein, prüfe die Tag-Implementierung und erstelle Ausschluss-Listen für Kunden, die bereits konvertiert haben.

Praxis-Tipp: So nutzt du RLSA richtig

Der ultimative RLSA-Hack für den DACH-Markt liegt in der Kombination von RLSA mit Customer Match und First-Party Data. Erstelle zunächst eine Customer Match Liste deiner wertvollsten Bestandskunden - diese haben oft einen 3-5x höheren Lifetime Value als Neukunden. Nutze diese Liste für Target-and-bid bei Premium-Keywords, die normalerweise zu teuer wären.

Ein Profi-Tipp: Nutze RLSA für 'Competitor Conquest' Strategien. Erstelle Listen von Nutzern, die deine Website besucht haben, und verwende diese für Target-and-bid bei Konkurrenz-Keywords. Da diese Nutzer bereits dein Angebot kennen, hast du einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Ein Schweizer SaaS-Unternehmen steigerte so den ROAS bei Competitor-Keywords von 1,2 auf 4,8.

Fortgeschrittene RLSA-Strategie: Kombiniere RLSA mit Seasonality Adjustments. Vor Black Friday oder saisonalen Peaks erhöhst du die RLSA-Gebote zusätzlich um 50-100%, da Wiederbesucher während Sales-Perioden besonders kaufbereit sind. Diese Doppel-Optimierung aus zeitlicher und verhaltensbezogener Segmentierung kann den ROAS in Peak-Zeiten um 200-300% steigern gegenüber Standard-Kampagnen.

Häufig gestellte Fragen

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